01.05.2022

Wenn Beziehungen nicht gelingen, kommt die Einsamkeit

Dabei ist es einerlei, ob dieses Alleinsein durch den Verlust eines vertrauten Menschen, den Zerbruch einer Beziehung gekommen ist oder selbst verschuldet wurde. Viele schaffen es nicht aus eigener Kraft, dieser Situation wieder zu entkommen, Kontakte zu suchen und dem Netz der Einsamkeit zu auszubrechen. Vielfach stellen sich dann auch Gefühle der Wertlosigkeit und Ablehnung ein, denen Gefühle des Verletztseins und der Verbitterung folgen. Einsamkeit war schon immer ein wichtiges Thema, nicht erst in unserer Zeit. Allerdings tritt sie in unserer Zeit verstärkt auf. Das hat auch viel mit der Geschäftigkeit zu tun, die uns so wenig Zeit für unser Privatleben lässt. Viele klagen sogar darüber, dass sie inmitten einer großen Menschenmenge das Gefühl verspüren „einsam zu sein“ . Das ist gar nicht so selten der Fall.

Wir sind von Gott für  andere geschaffen

Was auch immer es ist, was uns in diese Situation der Einsamkeit gebracht hat, es ist immer gut, wenn es uns gelingt, wieder davon los zu kommen. Vielleicht war es unser Stolz oder eine Form mangelnder Lernbereitschaft. Vielleicht möchten wir niemandem unsere Schwächen zeigen. Was immer es ist, Schuld, Versagen oder Stolz – nichts sollte uns länger daran hindern, etwas gegen die Einsamkeit zu unternehmen. Selbst wenn es uns nicht gelingt, den Teufelskreis aus eigener Kraft zu durchbrechen, gibt es vielleicht andere, denen wir uns anvertrauen können. Jesus ist auch dafür auf diese Welt gekommen, die Netze des Bösen zu zerstören und uns in die Freiheit eines erfüllten Lebens zu führen.

Jesus hat sich verletzbar gemacht 

Jesus ist auf diese Erde gekommen und hat sich verletzbar gemacht, um uns den Weg zu Gott, dem Vater, zu eröffnen. Als er am Kreuz für uns starb, schrie er zum Himmel: «Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?» Jesus kann uns also verstehen, wenn wir mit ihm über unsere Einsamkeit reden, denn er hat diese Einsamkeit selbst durchlebt und durchlitten.
Einsamkeit wird immer dann überwunden, wenn wir von dem gewohnten Lebenstil, der uns in diese Einsamkeit geführt hat, ausbrechen und umkehren. Jede Liebe ist eine Form der Hingabe, des sich Fallen-lassens und Verletzbar-werdens. Wer davor zurückschreckt, darf sich nicht wundern, wenn es ihm nicht gelingt, sein Alleinsein zu durchbrechen. Sicher ist jede gute Beziehung immer auch eine Form von Mühe und Arbeit. Diese Mühe steht jedoch in keinem Verhältnis zu dem, was uns eine gute Beziehung gibt. Sicher ist auch: Wer sein Leben in Beziehungen mit einsamen Menschen investiert, dessen Einsamkeit wird sicher sehr schnell zu Ende sein.

Dennoch …

...bleibt auch in der tiefsten menschlichen Beziehung immer noch ein Stück Einsamkeit zurück. Das ist deshalb so, weil unser Vertrauen zu Gott sowie unser Vertrauen zu unseren Mitmenschen nie vollkommen ist. Vielleicht ist ein Grund dafür, dass wir, wie eine kluge Frau einmal sagte, „den letzten Rest der Furcht voreinander nicht loswerden“. Oder ist es deshalb, weil dieser Rest an Einsamkeit uns vielleicht zeigen soll, dass wir Gott brauchen? Ihn, der uns allein alles sein kann, brauchen wir letztlich immer.
Eine völlige Überwindung der Einsamkeit wird es aber erst im Himmel geben. Wenn wir Jesus Christus vertrauen und glauben, wird Gott uns das sein, was wir alle so sehr brauchen. Spätestens dann wird auch diese letzte Einsamkeit vorüber sein, weil die Gemeinschaft mit Gott uns erfüllen wird.

Wer damit beginnen will, seine Einsamkeit zu überwinden, der sollte
• seinen Schmerz darüber vor Gott zum Ausdruck bringen,
•sich den Gründen für seine Einsamkeit stellen und auch zugeben, wenn sich herausstellen sollte, dass es etwas gibt, was ihn in diese Einsamkeit geführt hat.
• Dann geht es darum, die Verantwortung dafür zu übernehmen und die Schuld nicht immer nur bei den anderen zu suchen.
• Vielleicht steht es aber auch an, selbst den ersten Schritt zu wagen und Versöhnung zu suchen.
• Wenn all das nicht zum Ziel führt, fragen Sie sich doch, wen Sie in seiner Einsamkeit besuchen können, wem Sie helfen oder beistehen können.
• Suchen Sie die Gemeinschaft mit anderen Christen, einer christlichen Gemeinde in Ihrer Nähe oder einzelnen Menschen, von denen sie wissen, dass sie Jesus Christus vertrauen.
• Vergessen Sie nicht, dass in der tiefsten Einsamkeit nur die Gemeinschaft mit Gott wirklich helfen kann (Psalm 73, 25-26).

Wir leben heute in einer Welt des Wohlstandes, der vielen Freizeitangebote und der schier unbegrenzten technischen Kommunikationsmöglichkeiten. Dennoch gab es noch keine Zeit, in der Menschen so aneinander vorbeigelebt haben, in der es so viele Trennungen und Scheidungen gab und das Abschieben älterer Menschen zu so großem Elend führte. Es ist also gut, wenn wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen und etwas dagegen tun, sei es für uns selbst oder auch für andere, die vielleicht schon länger in dieser Falle der Einsamkeit stecken.

 

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