01.11.2020

Wie wir Krisen als Chancen nutzen

Vor dem Ziel aufzugeben, bedeutet in der Regel, dass Krisen nicht wirklich durchlebt werden, weil der Mensch glaubt, die durch die Krise entstandende Spannung nicht auszuhalten. Das geschieht viel öfter, als wir denken, insbesondere in unserer heutigen Zeit. Vor allem im Bereich von Ehe und Partnerschaft führen unüberlegte und vorschnelle Trennungen oft zu Fehlentscheidungen, die nicht selten mit späteren Zweifeln und Reue einhergehen. Oft sind es Einflüsse von außen, von sogenannten Freunden oder Freundinnen oder von Medien, die solche Entschlüsse herbeiführen oder zumindest begünstigen.

Wer aber sagt diesen Menschen, dass sie sich durch eine willkürliche Trennung um wichtige Erfahrungen in ihrem Leben bringen? Niemand. Anstatt Krisen durchzustehen und sie als Chance zu nutzen, flüchten Männer und Frauen heute oft viel zu schnell in eine nächste Beziehung, wo dieselbe Problematik wieder von vorne beginnt. Denn wer aus der Spannung flieht, die durch eine vielleicht notwendige Krise entstanden ist, verschenkt die Kraft zur Veränderung, die ihm durch die Krise geschenkt wird. Das muss nicht sein, ist aber sehr oft der Fall. Krisen verlangen fast immer mentale, nervliche und seelische Kraft. Deshalb halten viele in Zeiten der Krise auch nicht durch. Wer aber durchhält, kann die persönlichkeitsbildende Wirkung einer Krise nutzen und dann auch seinen Gewinn daraus ziehen. Dieser Gewinn kann ganz unterschiedlich aussehen, aber jeder erlebt ja auch seine eigenen Krisen. Deshalb gilt: Wer eine Krise wirklich durchlebt, dem kann sie zur Chance in seinem Leben werden.

Krisen entfalten unsere Persönlichkeit

Wir hätten es gerne anders, doch die Persönlichkeit eines Menschen entfaltet sich zumeist in Zeiten der Krisen, durch die er in seinem Leben geht. Das klingt vielleicht befremdlich, entspricht aber einer weit verbreiteten Lebenserfahrung. Selbst Gott, unser Schöpfer, mutet uns Krisen zu, viel öfter, als es uns lieb ist. Warum? Weil er möchte, dass wir unter den seelischen Spannungen, die durch die Krise entstehen, in unserer Persönlichkeit reifen und geformt werden, dass wir zu starken, tragfähigen Persönlichkeiten heranreifen.

Krisenzeiten sind auch Zeiten, in denen viele Menschen Gott als ihren Heiland und Retter kennenlernen und ihn als solchen ganz unmittelbar selbst erleben, sodass sie nach überstandener Krise wie Hiob sagen können: „Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!“ (Hiob 42,5).

Krisen werden unterschiedlich erlebt

Introvertierte Menschen erleben Krisen anders als extrovertierte. Erstere stehen in einer Krise vielleicht in der Gefahr, sich zu isolieren, extrovertierte, impulsive Menschen versuchen sich eher über eine Krise hinwegzumanövrieren. Doch wie auch immer ein Mensch auf die Krise reagiert, letztlich geht es darum, sich der Situation zu stellen, sie anzunehmen und durchzustehen, bis die gewünschte oder durch die Krise herbeigeführte Veränderung sich einstellt. Wer dazu imstande und gleichzeitig auch bereit ist, sich selbst zu hinterfragen und notwendige Veränderungen zuzulassen, der kann durch eine Krise in seinem Leben oft sehr viel profitieren.

Der Preis, den wir dafür bezahlen, ist die Zeit der Unsicherheit und Spannung, durch die wir hindurchgehen, um dann den Gewinn davonzutragen. Denken Sie an die vielen bekannten deutschen Volksmärchen, in denen uns oft wertvollste Lebensweisheiten in stark verdichteter Form weitergegeben werden. Menschen früherer Zeiten haben ihre wichtigsten Erfahrungen über diese Geschichten weitererzählt, von denen wir bis heute profitieren. Wir dürfen nur nicht zu stolz sein und glauben, Märchen seien nur was für Kinder. Das auch, aber nicht nur. Denn Märchen beinhalten Weisheiten, die sich jeder zu eigen machen kann, der mit offenen Augen durchs Leben geht.

In fast jedem der bekannten deutschen Märchen sind es Krisensituationen, in die die kleinen oder großen Helden geraten und durch die sie hindurch müssen, um geläutert und gestärkt daraus hervorzugehen. Das Gold oder der Schatz, der in vielen dieser Märchen eine große Rolle spielt, ist der Gewinn, den ein Mensch aus solchen Zeiten der Krise davonträgt. Meist kann er ihn anschließend einfach problemlos mitnehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Held durchgehalten und die Prüfung bestanden hat. Interessant ist auch, dass dieser Gewinn am Ende der Geschichte fast immer darauf schließen lässt, dass das „neue Leben“, das nun mit dem Besitz dieses Schatzes oder Goldes beginnt, garantiert viel weniger anstrengend und entbehrungsreich verlaufen wird. Das wird vielleicht nicht explizit gesagt, aber der versöhnliche Schluss impliziert es.

Was bedeutet das für uns heute?  

Im Leben eines Erwachsenen von heute kann das volle Durchleben einer Krise bedeuten, dass wir erkennen, wer wir sind. Davon erzählen uns Menschen, die erfolgreich durch eine solche Krise gegangen sind und vielleicht auch nur über die Hilfe eines anderen wieder herauskamen. Das kann ein schonungslos offenes und ehrliches Gespräch mit einem Freund oder Therapeuten gewesen sein, das von Gott benutzt wird, um uns aus der Isolation herauszuführen. Es kann aber auch eine Begegnung mit unserem Schöpfer selbst sein. Dass wir plötzlich wissen: Ja, Gott lebt und ist da und hat mir jetzt auf wundersame Weise tatsächlich geholfen. Solche Erfahrungen gibt es bis heute. Christen aus aller Welt können  uns von diesen Erlebnissen berichten, die sie in Zeiten ihrer größten Krisen erlebt haben. Und eines haben alle diese Erlebnisse gemeinsam. Menschen, die sie erleben, vergessen sie nie wieder und fühlen sich auch nie wieder so schwach und allein wie vor einer solchen Erfahrung.

Wenn andere uns begleiten

Wenn andere Menschen uns durch Krisen hindurch begleiten, ist das zumeist eine unglaublich wichtige Erfahrung in unserem Leben. Vor allem wenn durch diese Begleitung eine Krise erfolgreich und gewinnbringend durchgestanden und konsequent durchlebt wird, um anschließend gestärkt und mit neuen Ideen, neuem Elan, neuem Lebensmut und auch neuer Lebenskraft daraus hervorzugehen. Es kann das wiederholte Gespräch mit einem geschulten Gesprächspartner sein, das uns aus einer Krise hilft, oder auch die Hilfe eines verschwiegenen christlichen Seelsorgers, der sich dafür nicht einmal bezahlen lässt. Es kann aber auch die vielleicht völlig unerwartete Hilfe eines guten, erfahrenen Freundes sein, der plötzlich in die Lage versetzt wird, mit seinen Fähigkeiten, sich in einen anderen Menschen hineinzufühlen und einen Weg aufzeigt, der sich dann als Ausweg aus der Krise erweist. Alle diese Menschen zeichnet eines aus: sie haben Zeit für mich, um sich „um meine Seele zu sorgen“, deshalb werden sie sehr häufig auch als besonderes Geschenk empfunden, dessen Wert uns allerdings oft erst viel später so richtig bewusst wird.

Noch eine ganz andere Form der Hilfe

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ (Markus 12,29). Diese Aufforderung Jesu ist wahrscheinlich eine der bekanntesten. Wenn wir sie befolgen, gehören wir vielleicht zu den Menschen, die für andere zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind, gerade in Krisenzeiten, weil Gott es ist, der durch uns handelt, ohne dass wir es wissen. Beispiele dazu kennen wir alle aus unserem eigenen Leben. Wenn wir Gottes Gebote und Weisungen ernst nehmen und sie auch befolgen, werden wir zu solchen Menschen, die viel Gutes bewirken. Gott handelt durch uns, wenn wir uns ihm im Gehorsam anvertrauen und zur Verfügung stellen. Ist das nicht eine großartige Vorstellung vom Leben, dass wir anderen durch Gott zum Segen werden, ohne dass wir viel darüber wissen? Alles, was wir dafür tun müssen, ist Gott vertrauen und nach seinem Willen leben. 

 

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