01.07.2017

Mit Gott auf Du und Du

Religion bringt Moral- und Wertvorstellungen in unser Leben. So ist zum Beispiel Gerechtigkeit ein Wert, der in der westlichen Welt großgeschrieben wird, aber auch die Bibel spricht darüber. Wer sich daran orientiert, führt sehr wahrscheinlich ein Leben nach Grundsätzen, die darauf abzielen, dass mehr Gerechtigkeit im Leben zu spüren ist. Kirchliche Feste wie Weihnachten und Ostern sind ebenso Bestandteile der Religion. Wer daran denkt, verbindet diese Feste fast unweigerlich auch mit Kirche als Institution. Hochzeit, Taufe, Beerdigung - all das gehört selbstverständlich auch dazu. Es sind die Zeiten in unserem Leben, die die meisten Menschen mit der Institution Kirche in Verbindung bringen.

Aber bedeutet die Teilnahme an kirchlichen Anlässen und Festen bereits, dass ein Mensch auch tatsächlich eine persönliche Beziehung zu Gott kennt und lebt? Leider nein. Dennoch kommt es im christlichen Glauben ganz wesentlich darauf an, Jesus Christus als Heiland und Retter kennenzulernen und sein Leben mit ihm zu führen. Christliche Werte können wir auch ohne Jesus leben, ebenso können wir kirchliche Feste ohne Jesus feiern. Aber gerettet werden können wir nur über unsere persönliche Beziehung zu Jesus Christus. In diesem Sinn ist eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus viel mehr als Religion und setzt auch einen viel tiefer gehenden Glauben voraus. Denn in einer persönlichen Beziehung reden wir mit Gott. Wir lernen, auf Gottes Worte zu hören und werden auch erfahren, dass Gott antwortet. Das ist wie ein intimes Gespräch zwischen Gott und Mensch. Wer diese Art von Austausch kennt, weiß, dass er dem nicht unähnlich ist, was wir als Austausch mit unseren besten Freunden kennen.

„Wer an mich glaubt, aus dessen Innerem werden Ströme lebendigen Wassers fließen, wie es in der Schrift heißt.“
Worte Jesu in der BIBEL, Joh. 7,38

Wie beginne ich eine Beziehung zu Jesus?

Im Prinzip ähnlich wie die Beziehung zu einem Menschen. Ich muss den Menschen zuerst kennenlernen, dann werde ich ihm vertrauen und schließlich werde ich mich auf ihn verlassen. Jesus kennt jeden von uns und muss niemanden erst kennenlernen. Aber wir müssen ihn kennenlernen. Das geht am einfachsten über die Berichte von Jesus in der Bibel. Denn in der Bibel erfahren wir in Geschichten, Gleichnissen und Reden so viel über Jesus, dass wir Vertrauen zu ihm bekommen können. Gut ist dabei natürlich eine Anleitung zum Bibelstudium, am besten wenn man die Bibel zusammen mit jemandem liest, der sich schon gut damit auskennt und weiß, wie die Texte der Bibel im Zusammenhang zu verstehen sind. Ich kann mich aber auch an einem Bibelleseplan orientieren, der gleichzeitig Auslegungen und Denkanstöße zu den einzelnen Texten bietet. Am allerwichtigsten aber ist der direkte Kontakt zu Jesus, das Gebet. Denn wer regelmäßig ehrfurchtsvoll zu Jesus betet, dem wird er auch antworten. So entsteht eine Beziehung zwischen Gott und Mensch, in der ich als Mensch alle Fragen, Zweifel und Bitten zu Gott bringen kann. Vor allem kann ich Jesus darum bitten, dass er mir verstehen hilft, was in der Bibel über ihn geschrieben steht. Was es für mein Leben bedeutet. Wichtig ist, dass ich will, dass Gott mir antwortet und dass ich auch damit rechne, dass er zu mir sprechen wird. Wie, das muss ich ihm überlassen. Aber dass er mir antworten wird, darauf kann ich mich verlassen. Manchmal spricht er durch einen Bibelvers, machmal durch Worte anderer Christen zu mir. Es kann auch nur ein Gedanke sein, der mir plötzlich in den Sinn kommt. Wie immer es geschieht - in der Regel merken wir relativ genau, wenn Gott zu uns spricht.

Der Weg dorthin

Eine Beziehung zu Jesus lässt sich Schritt für Schritt aufbauen und geht nicht von heute auf morgen. Wer aber imstande ist, die dafür nötige Geduld und Aufrichtigkeit aufzubringen, dem hilft Jesus, eine direkte und lebendige Beziehung zu ihm aufzubauen und dann auch aufrecht zu erhalten.

„Ehe der Mensch den Schritt zum Glauben gewagt hat, kann er das nur für Torheit ansehen; hinterher ist er ein anderer geworden.“
Søren Kierkegaard (1813 - 1855), dänischer Philosoph, Theologe, Autor

Abgeschlossen wird ein solcher Aufbauprozess wahrscheinlich nie sein, zumindest in diesem Leben nicht. Denn unsere Beziehung zu Gott kann immer noch besser, direkter und tragfähiger werden. Aber jedes Gebet, jedes Reden mit Gott trägt dazu bei, dass ich ihn immer besser kennenlerne und verstehe.

Wie pflege ich meine Beziehung zu Jesus?

Das ist ähnlich wie bei jeder Beziehung zwischen zwei Menschen. In der Beziehung zwischen Mensch und Gott geht es nämlich auch darum, dass wir uns bewusst Zeit dafür nehmen, in der Bibel zu lesen, zu Jesus zu beten und vor ihm still zu werden, um auf ihn zu hören. Wenn wir jeden Tag eine bestimmte Zeit fürs Bibellesen und Beten reservieren, kann das sehr hilfreich sein. Neben dem Kontakt zu Jesus braucht es auch andere Christen, die mir helfen, Fragen zu beantworten und eventuelle Zweifel zu überwinden. In Gesprächen mit anderen Christen kann ich erfahren, wie sie ihren Glauben leben, welche Erfahrungen sie mit Gott machen und wie sie Schwierigkeiten im Alltag bewältigen. Der Kontakt zu anderen Christen ist also - neben dem Lesen der Bibel - ein weiterer wesentlicher Teil des Christseins. Denn es geht ja darum, Jesus immer besser kennenzulernen, die Beziehung zu ihm aufzubauen und zu pflegen. Wo immer wir Menschen finden, die als Vorbilder leben, können sie uns helfen, auf diesem Weg voranzukommen. Denn wer bereits viel mit Gott erlebt hat und seine Beziehung zu Jesus im Alltag lebt, ist sicher nicht so schnell aus der Bahn zu werfen und kann Orientierung geben.

Der Weg in die Gemeinschaft von Christen

Jesus hat ausdrücklich betont, dass er in ganz besonderer Weise dort anwesend sein wird, wo sich mehrere Menschen in seinem Namen versammeln (vgl. Mt. 18,20). Deshalb ist es richtig, wenn ein Kind Gottes am Sonntag in den Gottesdienst geht und dabei andere Christen trifft, um mit ihnen zu feiern, sich über den Glauben auszutauschen und sich über das zu freuen, was sie mit Gott erlebt haben. Jesus hat aber auch gesagt: „Was ihr einem von den geringsten Menschen getan habt, habt ihr mir getan.“ (Mt. 25,40) Wer sich mit anderen Christen zusammen regelmäßig dafür einsetzt, dass Gottes gute Botschaft zu den Menschen kommt, der wird schnell erleben, wie dadurch auch die Beziehung zu Gott immer fester und beständiger wird.

„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“
Die BIBEL, 1. Johannes 4,19

Aber wie ist das, wenn ein „Schicksalsschlag“ eintritt - wirft uns das dann nicht mehr so schnell aus der Bahn? Wenn nichts mehr wie vorher ist und mein Glaube sich in Luft aufzulösen scheint? Solche Situationen könnten z. B. durch ein trauriges oder schockierendes Erlebnis in der Familie oder in der Ehe ausgelöst werden - vor allem dann, wenn wir Gottes Handeln nicht mehr verstehen und deshalb zu zweifeln beginnen an unserer Beziehung zu Gott. Das kann übrigens auch dann entstehen, wenn wir vielleicht gerade eine „Durststrecke“ in unserer Beziehung zu Gott erleben, weil wir sein Reden nicht mehr „hören“. Auch das kann Zweifel aufkommen lassen.

Wie gehe ich damit um?

Wichtig ist es, in diesen Zeiten das Vertrauen auf Gott nicht aufzugeben und am Glauben festzuhalten. Selbst wenn diese Zeit länger dauern sollte oder vielleicht schon zum Normalzustand geworden ist - Gott hört mich und er wird antworten, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Denn eines müssen wir wissen: Gott möchte immer das Beste für uns. Das ist auch dann der Fall, wenn er Ereignisse in unserem Leben zulässt, in denen wir nichts Positives mehr erkennen können (vgl. Röm. 8,28) und Gottes Handeln nicht mehr nachvollziehen können. Wir können bei Gott dennoch immer sicher sein, dass er nichts in unserem Leben geschehen lässt, was nicht letzten Endes einen Sinn hat. Das alles setzt selbstverständlich ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Aber genau darum geht es. Wir müssen in unserem Alltag lernen, Gott zu vertrauen, damit wir seine Güte und Liebe erfahren. Dazu dürfen wir wissen, dass Gott immer und überall den Überblick hat. Was wir nicht sehen, er sieht es. Was wir nicht wissen, er weiß es. Durch unser Vertrauen in seine Liebe, Allmacht und Güte können wir selbst in Krisen in unserem Glauben an Gott wachsen und sogar gestärkt daraus hervorgehen. Wir dürfen uns auch - und zwar gerade in schwierigen Zeiten - ganz direkt an ihn wenden und ihm alles sagen. „Denn das Gebet eines Menschen, der nach Gottes Willen lebt, hat große Kraft.“ (Jak. 5,16). Gott versteht unsere Sorgen und Nöte. Er ist Anfang und Ziel unseres Lebens. In ihm sind wir geborgen. Lesen Sie auch diese Lebensberichte:

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