01.03.2022

Leidet auch Gott?

„Was ist los mit unserer Welt?“ war erst kürzlich in einer Boulevardzeitung zu lesen. Politiker, Wirtschaftstreibende und Wissenschaftler, Techniker und Journalisten erklären uns doch seit Jahrzehnten, sie hätten alles im Griff! Warum bekommen wir immer mehr den Eindruck, dass sie anscheinend überhaupt nichts „im Griff“ haben? Spätestens seit Corona ist das doch eindeutig. Da ist doch bald nichts mehr, wie es war. Die Ereignisse werden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt größer, während wir Menschen immer kleiner, hilfloser und ohnmächtiger werden.

… und Gott lässt das zu?

Ja. Gott lässt es zu. Denn würde er es nicht zulassen, gäbe es das alles nicht. Das wollen viele zwar nicht glauben, ist aber so. Im Grunde ist auch nur die Frage, welches Bild wir uns von Gott gemacht haben. Wenn wir Gott so sehen, wie er sich uns in der Bibel zu erkennen gibt, ist es eindeutig: Gott lässt es zu. Vielleicht, weil es anders nicht geht. Weil wir sonst in unseren Abgrund laufen. Weil wir anders nicht anfangen, auf Gott zu hören. Weil es darum geht, dass Menschen wieder anfangen zu erkennen, wer wir wirklich sind. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Aber möglich wäre es. Immerhin müssen wir alle ab und zu an unsere Grenzen kommen, um zu erkennen, wer wir sind.

Das beginnt bereits im Kleinkindalter und ist im Leben eines Erwachsenen oft nicht anders. Wer zu einer realistischen Selbsteinschätzung kommen will, muss seine Grenzen erkennen. Selbst Bosheiten müssen oft zuerst ausgelebt werden, ehe sich die Erkenntnis einstellt, dass es vielleicht doch das Falsche war. Nur ist es dann oft schon zu spät – weil eine Freundschaft dadurch zerbrochen wurde oder eine Liebe unnötigerweise in die Brüche ging. Immerhin gut, wenn wir zumindest dann erkennen, wer wir wirklich sind und welchen Wert diese Freundschaft oder diese Liebe vielleicht hatte.

Und Ehen? Müssen auch Ehen zuerst in die Brüche gehen, bevor wir ihren Wert erkennen? Hoffen wir nicht. Am besten, wir warten erst gar nicht, bis alles in die Brüche geht, sondern fangen sofort damit an, uns um all das zu kümmern. Ehe, Beruf und Arbeit, unsere Kinder, und vor allem unser Glaube an den Schöpfer; alles will gepflegt und beachtet werden. Nichts darf übersehen oder gleichgültig behandelt werden. Nichts vernachlässigt, nichts ignoriert.

Warum betone ich das?

Weil es wichtig ist. Weil es so schnell passiert, dass wir es gar nicht merken. Bis es zu spät ist und eine ganze Kette von Folgen uns aufschreckt und aufweckt, als hätten wir bis dahin geschlafen. Wer weiß, vielleicht ist es ja auch gerade das, was wir derzeit durch die Pandemie erleben? Wenn sich eine Gesellschaft in einem so rasanten Tempo zu verändern beginnt, ist das allemal ein Grund, darauf zu achten, ob nicht doch Gefahr in Verzug ist. Vielleicht ist es auch tatsächlich Zeit, dagegen aufzustehen, ehe es zu spät dafür ist. Gefahren lauern zu allen Zeiten und in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Sie lauern auch in uns selbst.

Es müsste nicht mehr sein

Christen feiern Ostern, ein christliches Fest, das seit rund 2000 Jahren Theologen und Wissenschaftler wie eines der größten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte beschäftigt. Ostern erinnert uns an den Kreuzestod Jesu und an seine Auferstehung. Dazu gibt es viele Berichte. Am eindrücklichsten sind die der Bibel. Eigentlich unverständlich, dass dieses vielleicht wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte heute an den Rand gedrängt wird. Aber die Frage ist, wie lange noch? Die Bibel sagt: Jesus kam auf diese Erde, um uns zu suchen und zu erlösen und er wird wiederkommen, wenn die Zeit dafür da ist.

Brauchen wir Erlösung?

Ja. Heute mehr denn je. Zwar gibt es gerade in unserer Zeit noch immer viele Menschen, die glauben, dass sie alles im Griff haben. Aber wir wissen ja inzwischen, wie das mit diesem „im Griff haben“ ist. Wenn es darauf ankommt, ist nichts mehr davon zu sehen. In Wahrheit haben wir nicht nur gesellschaftlich sondern auch privat vieles nicht „im Griff“. Das zeigt uns Corona. Das zeigt uns aber auch das Leben eines jeden Menschen. Wenn es auf sein Lebensende zugeht, hat keiner von uns mehr etwas „im Griff“. Viele glauben das zwar. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Was dann?

Wir gehen nun mal alle unserem Tod entgegen. Da ist niemand, der sich davor in Sicherheit bringen könnte. Es gibt keinen, der uns davor retten könnte – außer einem: Jesus. Wer Jesus Christus glaubt und vertraut, so sagt uns die Bibel, der wird gerettet. Jesus Christus allein hat die Macht, uns vor dem Tod zu erretten. Er errettet uns aber nicht nur vor dem Tod sondern schenkt uns ewiges Leben.

Das ist das Angebot Jesu. Seit mehr als 2000 Jahren können wir es nun schon schwarz auf weiß in der Bibel lesen, verbürgt und versiegelt mit dem Blut Jesu, das er am Kreuz für uns vergossen hat. Aber hören wir darauf? Antworten wir ihm? Denn wie können wir erwarten, dass Jesus uns ewiges Leben schenkt, wenn wir nicht einmal auf sein Angebot antworten? Wie können wir erwarten, dass Jesus sich uns zuwendet, wenn wir uns nicht damit auseinandersetzen? Wer bis zum Hals im Sumpf steckt, dem reicht es doch nicht, wenn er die Hand, die ihm entgegengestreckt wird, nur betrachtet; er muss sie ergreifen – und zwar schnell.

„Die ganze Schöpfung seufzt.“

So lesen wir es in einem der biblischen Texte, die bereits vor 2000 Jahren geschrieben wurden (vgl. Römer 8,22). Die ganze Schöpfung seufzt, sie schreit nach Erlösung. Und das nicht erst, seit jeder davon spricht, seit die Pole zu kippen drohen. Nein. Die ganze Kreatur seufzt und stöhnt schon seit Jahrtausenden unter ihrer Last, die sich daraus ergibt, dass es eine gefallene Schöpfung ist. Auch Gott leidet darunter. Er leidet darunter, was wir aus seiner Schöpfung gemacht haben und sicher auch darunter, dass wir in unserem Hochmut noch immer glauben, wir hätten alles im Griff.

Gott leidet an unserem Egoismus, der so viel Leid verursacht und Menschen im Stich lässt. Er leidet mit den Menschen, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet werden und er leidet darunter, dass noch immer Kinder im Leib ihrer Mutter getötet werden. Wer wollte – angesichts dieser Entwicklungen – noch daran zweifeln, dass wir Erlösung brauchen?

Wo immer wir unseren freien Willen dazu missbrauchen, das Leid dieser Welt noch zu vergrößern, leidet auch Gott darunter. Aber Gott greift auch immer wieder in die Geschichte ein. Er rettet und hilft.

Stellen wir uns vor,...

...wie viel Leid in jeder Sekunde auf dieser Welt geschieht. Tag für Tag sterben mehr als 20.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung oder vermeidbaren Krankheiten. Millionen Christen sind von einem hohen Maß an Verfolgung und Diskriminierung betroffen. 360 Millionen Christen leben in Ländern, in denen Christen diskriminiert und verfolgt werden. Wer kann das unsägliche Leid dieser vielen Menschen nachempfinden? In muslimischen Ländern müssen Christen, die sich zu Jesus bekennen, mit Diskriminierung, Vergewaltigung, Ausgrenzung, Verfolgung und oft sogar damit rechnen, dass sie umgebracht werden.

Im Jahr 1946 – kurz nach den schrecklichen Erfahrungen mit den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – schrieb der japanische Theologe Kazoh Kitamori ein Buch über den Schmerz Gottes. Es dauerte 30 Jahre, bis dieses Buch im deutschen Sprachraum zur Kenntnis genommen wurde. Kitamori schreibt: „Der Schmerz Gottes ist der vollkommenste Ausdruck der Liebe Gottes.“

Es gibt keinen anderen Weg

Wir müssen erlöst werden. Von unserer Selbstherrlichkeit, unserer Selbstsucht, unserer Gier, unserer Blindheit, unserer Selbstgerechtigkeit,  unserem Egoismus – und unserer Ohnmacht. Das kann keine Revolution, kein Staatsführer, kein Guru. Das kann nur Jesus Christus. Deshalb sagt uns die Bibel: Wer sein Angebot der Erlösung annimmt, „dem müssen alle Dinge zum Besten dienen!“ (Römer 8,28). Wäre es das nicht wert, dass wir uns aufmachen und dafür interessieren? Immerhin macht Gott dieses Angebot jedem einzelnen von uns. Jeder, der sich Jesus Christus anvertraut, ihm glaubt und vertraut, wird errettet.

… und dann?

Dann geht es darum, dass wir kein falsches Spiel mit Gott treiben, wie es die Pharisäer taten, die alles wussten und Jesus dennoch nicht erkannten, als er unter ihnen war. Deshalb musste Jesus ihnen sagen: „Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel.“ (Matthäus 23,24). Vor beidem sollten wir uns hüten: Dass wir nicht zu Pharisäern werden und auch davor, dass wir gottlos bleiben.

1856 fanden Archäologen in Rom die Reste einer Ausbildungsstätte für Sklaven am Hof des Kaisers. An den Mauern davor waren Wandkritzeleien. Eine davon zeigt einen menschlichen Körper mit einem Eselskopf, der am Kreuz hängt. Daneben ein Junge mit erhobenen Händen, darunter, in den Putz gekritzelt, steht: „Alexamenos betet seinen Gott an!“

Was hier gezeigt wird, ist Spott über die Liebe Gottes zu uns Menschen. Doch machen wir es in unseren westlichen Ländern so viel anders? Danken wir Gott für das, was er uns alles geschenkt hat? Oder warten wir nur, bis Gott uns alles wieder aus der Hand nehmen muss, damit wir anfangen, darüber nachzudenken?

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