01.09.2020

Kinder brauchen Herausforderungen

Widerstandsfähigkeit wird Kindern nicht in die Wiege gelegt. Sie muss durch gute Bedingungen gefördert und erlernt werden. Die beste Voraussetzung dafür sind intakte Familien, in denen Kinder Geborgenheit erleben und all das mitbekommen, was ihnen hilft, stark, mutig und resilient zu werden. Je mehr sich ein Kind in seinem engsten Lebensumfeld angenommen fühlt, desto offensiver und mutiger kann es werden. Das kann als Grundregel gelten.

Was macht Kinder selbstbewusst?

Kinder werden selbstbewusst, wenn sie lernen, mit Spannungen und Konflikten umzugehen und merken, dass sie nicht bei jeder Gelegenheit aus dem Konzept gebracht werden können. So wie Astrid Lindgrens Kinderheldin „Pippi Langstrumpf“. Die kleine „Pippi“ ist kreativ, mutig, stark und nie verzagt. Deshalb ist ihre Geschichte um die Welt gegangen und begeistert bis heute Kinder überall auf der Welt. „Pippi“ wird als liebenswürdiger Menschen emfpunden. Aber warum? Die Frage ist nun, was Eltern in ihrer Erziehung dazu beitragen können, dass ihre Kinder diese Widerstandsfähigkeit erlernen bzw. entwicklen? Wie können Eltern die Resilienz ihrer Kinder stärken?

Sicher nicht, indem sie ihre Kinder übermäßig bemuttern. Denn überbehütete Kinder tun sich später schwer. Ihnen fehlt die Fähigkeit, mit alltäglichen, unvorhergesehenen Belastungen umzugehen, Konflikte zu vermeiden oder Konfliktsituationen zu meistern.  Kinder, denen nichts zugemutet wird, empfinden Misserfolge, Zurückweisungen oder Ungerechtigkeiten später oft als Zumutung. Das ist verständlich. Wenn für ein Kind bereits die Welt zusammenbricht, wenn es sein Lieblings-Dessert nicht bekommt, wenn die Aufforderung im Haushalt mitzuhelfen oder schlechter Handyempfang bereits zu einem halben Weltuntergang führt, wie wird dieser Mensch dann erst auf die Hürden und Hindernisse reagieren, die das Erwachsenenalter mit sich bringt?

Kindern hilft es, wenn sie von ihren Eltern altersgerecht, klug und bestimmt dahin begleitet werden, Herausforderungen zu meistern. Dafür müssen Eltern ihren Kindern aber etwas zumuten, denn nur so helfen sie ihnen, daran zu wachsen und sich zu entfalten. Das fängt damit an, dass ein zehn Monate altes Baby zu einem interessanten Spielzeug hinrobbt. Wenn sie dem Kind dieses Spielzeug jetzt ständig bringen, was viele leider machen, werden Sie ihm diese Lernerfahrung und das Erfolgserlebnis nehmen. Denn genau solche Herausforderungen sind dazu da, Resilienz zu fördern. Schon Kleinkinder müssen lernen, ihre Ziele selbstständig zu erreichen. Das können sie aber nur, wenn ihnen von ihren Eltern etwas zugemutet und auch zugetraut wird. Dadurch lernen sie, Herausforderungen anzunehmen, zu meistern  und sich anschließend daran zu erfreuen. All das sind wichtige Kompetenzen, die ein Kind erstmal erlernen und verinnerlichen muss, ehe es später darauf zurückgreifen kann, um schwierige Situationen im Leben zu meistern.

Psychologen sagen, dass sogenannte „Helikopter-Eltern“, die ihre Kinder wie in einem Treibhaus der Verwöhnung aufwachsen lassen und ihnen nichts zutrauen, ihrer Entwicklung eigentlich nur schaden. Solche Eltern dürfen sich nicht wundern, wenn ihr Kind später bereits bei der kleinsten Belastung alles hinschmeißt. Die Seele eines Menschen ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss. Seelische Widerstandskraft muss „trainiert“ werden - am besten bereits in frühen Jahren. So lesen wir es auch im Quellenbuch des christlichen Glaubens, der Bibel, wo in Sprüche 22,6 steht: „Bring dein Kind schon in jungen Jahren auf den richtigen Weg, dann hält es sich auch im Alter daran.“

Warum Kinder aus „unguten“ Lebensumständen oft stärker werden

Kinder, die in unguten Lebensumständen aufwachsen, entwickeln sich manchmal zu resilienten Erwachsenen. Warum? Weil diese Kinder sich irgendwann - meist im Alter zwischen 5 und 16 Jahren - entscheiden, ein besseres Leben jenseits der Ursprungsfamilie zu suchen. Meist sind es emotional einflussreiche Persönlichkeiten, die ihnen als Vorbild und Ideengeber dienen und ihnen neue, spannende Lebensperspektiven eröffnen, an denen sie sich von nun an orientieren, an denen sie wachsen und sich weiterentwickeln.

Oft sind es auch Menschen, die Wärme und Zutrauen ausstrahlen. Solche Menschen werden dann zu einem wahren Anker außerhalb der eigenen Herkunftsfamilie, denen das Kind von nun an - bewusst oder unbewusst - vertraut. In gewisser Weise nutzt ein Kind oder ein Jugendlicher diesen Mensch als seine Chance, um seine eigene Situation zu verändern. Das ist legitim und bringt oftmals Erstaunliches hervor.

Solche Menschen sind für die Entwicklung eines Kindes oder eines Jugendlichen unfassbar wichtig. Kinder oder auch Jugendliche saugen die neuen Impulse auf wie ein Schwamm und entwickeln oft auch eine tiefe Dankbarkeit, weil sie merken, was ohne sie vielleicht aus ihnen geworden wäre.

Wie Eltern die Resilienz ihrer Kinder bewusst und gezielt fördern können

Im Grunde viel einfacher, als man denkt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass jede Mutter und jeder Vater sich rechtzeitig darum kümmert. Denn was liegt näher, als dass wir unsere Kinder stark und widerstandsfähig machen, soweit es in unseren Möglichkeiten liegt? Was es dazu braucht, ist in erster Linie Übung, Übung und noch einmal Übung. Denn nur durch Übung entwickelt ein Mensch seine Fähigkeiten, mit denen er später den Herausforderungen und Belastungen begegnen kann. Wir müssen die guten Eigenschaften „einüben“, sie uns aneignen und förmlich „antrainieren“, damit wir sie später zur Verfügung haben.

Selbstverständlich spielt auch unsere Veranlagung eine Rolle dabei, aber noch mehr als das ist es die Übung.  Wie sagte der Philosoph Friedrich Nietzsche? „Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker.“ Darüber lässt sich natürlich streiten. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass in diesem Gedankengang auch viel Wahres steckt. Aber es sind nicht nur der Widerstand oder Misserfolge, die uns stärker machen, sondern vor allem auch die Ermutigung, Einsicht und Einübung des Richtigen und Guten, das wir bereits über eine gute Erziehung mitbekommen. Der so oft verwendete Satz: „Im Leben wirst du’s dann schon sehen!“ stimmt zwar, bringt uns allerdings nichts. Denn auch das verwöhnte oder verwahrloste Kind muss später zurecht kommen, nur wäre es gut, wenn es dazu mehr von seinen Eltern mitbekommen hätte. Denn wenn die Zeit der Kindheit erst einmal vorbei ist, ist auch die Zeit des spielerischen Erlernens meist vorbei. Wer seine Lektion dann nicht gelernt hat, wird nicht selten vom „Ernst des Lebens“ dazu gezwungen. Kinder, die in ihrer Erziehung verwöhnt und verweichlicht wurden, haben es dann umso schwerer, weil sie es oft schlicht und einfach nicht gelernt haben, mit Herausforderungen umzugehen.

Worauf kommt es nun ganz konkret an?

Wie können Eltern das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken und gravierende Fehler in der Erziehung vermeiden?

1.    Lassen Sie Herausforderungen für Ihr Kind     zu, schaffen Sie ihm nicht alles aus dem Weg.

2.    Kinder brauchen keine Dauerversorgung, sondern müssen auch ihre Erfahrungen machen.

3.    Durststrecken gehören zum Leben. Es ist wichtig, dass Ihre Kinder das wissen.

4.    Echtes Selbstbewusstsein ist oft das Ergebnis erbrachter Leistung, Lob und Annahme durch Eltern und von Genugtuung über bestandene Herausforderungen.

Alle diese grundlegenden Dinge wollen in einer guten Erziehung bedacht sein. Sie entsprechen dem biblischen Menschenbild, fördern unsere Kinder und helfen ihnen, vorbereitet zu werden auf ein Leben, das zumeist mehr abverlangt, als uns allen lieb ist. Intakte Ehen und Geborgenheit in der Familie können uns genau die Hilfe sein, die wir brauchen.

 

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