
Grundsätze guter Erziehung
Es war Ekkehard von Braunmühl (1940 - 2020), der Begründer der „Antipädagogik“, der vor mehr als einem halben Jahrhundert Erziehung zu einer „Form von Kindesmisshandlung“ erklärte und die Gleichberechtigung von Kindern und Erwachsenen forderte. Eine seiner Thesen lautete: „Wenn wir nicht wissen, wie der Mensch eigentlich sein soll, woher nehmen wir das Recht, ihn zu erziehen? Woher nehmen wir das Recht, ein bestimmtes Menschenbild als verbindlich zu erklären? Denn jede Form der Erziehung geschieht nach bestimmten Wert- und Normvorstellungen. Woher aber nehmen wir das Recht, solche Werte für andere als verbindlich zu erklären?"
Die Frage ist berechtigt. Denn wenn der Mensch seinen Glauben an den Gott der Bibel aufgibt und sich selbst zum Maß aller Dinge erklärt, stellt sich tatsächlich die Frage, welche Werte es nun wirklich wert sind, weitergegeben zu werden. Ekkehard von Braunmühl denkt als Kind seiner Zeit im Grunde nur das zu Ende, was logischerweise die Folgen sind, wenn der Mensch aufhört, an Gott zu glauben. Doch ist es auch ein Weg für die Erziehung unserer Kinder? Nein.
Was dabei herauskommt erleben wir heute, wo alles nur noch relativiert wird. Ehen gehen in die Brüche oder werden erst gar nicht mehr geschlossen. Familien scheitern, weil Mütter nicht mehr imstande sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Väter versagen in ihrer wichtigen Funktion als Vorbilder für ihre Kinder oder sind erst gar nicht da. Erfahrungen, die früher in einer Großfamilie noch selbstverständlich waren, können erst gar nicht mehr gemacht werden, weil es die Großfamilie heute gar nicht mehr gibt oder zumindest nur noch äußerst selten. Stattdessen sucht man in unserer Gesellschaft fieberhaft nach Lösungen für all die Probleme, die daraus entstanden sind. Doch wo sind diese Alternativen?
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Erziehung ohne Werte gibt es nicht
Als die christlichen Kirchen noch Einfluss auf die Gesellschaft hatten und über christliche Werte wachten und sie auch lehrten, war das alles noch etwas anders, auch wenn es nicht immer im Sinne des Evangeliums von Jesus Christus geschah und dabei vielleicht auch viele Fehler gemacht wurden. Aber die Menschen wussten, woran man sich orientieren konnte. Heute ist das anders. Heute fühlen sich viele Menschen in diesen Fragen auf sich allein gestellt. Zwar verfügen wir über eine Fülle von Informationen, doch auch hier muss das Gute in der Fülle der Angebote erstmal gefunden werden. Viele scheitern bereits daran und flüchten auf ihrer Suche nach Glück, Halt und Geborgenheit ins Vergnügen, nehmen Drogen oder sitzen Betrügern auf.
Wer hingegen das Glück hat, den Weg zu dem Gott der Bibel zu finden und sein Leben an seinen Geboten auszurichten, der findet darin nicht nur Halt und Orientierung für sein Leben, sondern auch die Erfüllung vieler seiner Wünsche. Sein Leben erhält durch die Hinwendung zu Gott ein neues, tragfähiges Fundament, das weit über das Leben auf dieser Erde hinausreicht. Das gilt sowohl für die persönliche Lebensgestaltung jedes Einzelnen wie auch für die Gestaltung des Lebens als Mann und Frau im Rahmen von Ehe und Familie und genauso für die Erziehung ihrer Kinder.
Prinzipien christlicher Erziehung
Die antiautoritäre Erziehung geht von der Annahme aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei, doch das ist falsch und lässt sich auch ganz leicht widerlegen. Denn wenn es tatsächlich so wäre, hätte Jean-Jacques Rousseau und alle, die nach ihm kamen, recht. Doch seine Theorie wurde bereits durch die Schrecken der Französischen Revolution im Jahr 1789 ad absurdum geführt, als diese Gedanken in einem Blutbad endeten.
Als Menschen sind wir zwar von Gott geliebt und begabt, aber nicht von Natur aus gut. Vielmehr sind wir Teil einer gefallenen Schöpfung und tragen alle diesen Drang zur Rebellion gegen Gott in uns. Gleichzeitig tragen wir aber auch noch diese Sehnsucht nach Gott und einem paradiesischen Leben in uns, die uns nie zur Ruhe kommen lässt, bis wir die Antwort darauf gefunden haben.
Aufgabe jeder Erziehung ist es deshalb, sowohl das eine als auch das andere im Blick zu behalten und darauf zu reagieren. Das Problem der Erbschuld kann nicht durch Erziehung gelöst werden. Das kann nur durch eine individuelle und bewusste Hinwendung des Menschen zu Jesus Christus geschehen, indem er Jesu Angebot der Vergebung annimmt. Dennoch kann eine christliche Erziehung sehr viel dazu beitragen, dass Kinder ihren Weg zu Jesus Christus finden und dadurch geretten werden.
Die Bibel nennt das wie folgt: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korinther 5,17). Es gibt noch andere Stellen der Bibel, in denen dieses Phänomen der Bekehrung sehr anschaulich beschrieben wird, so z. B. in 1. Johannes 1,9 oder Epheser 4,24. Sicher ist, dass es für jedes Kind keinen besseren Schutz gegen die Versuchungen dieser Welt wie auch gegen die vielen Gefahren im Leben eines Menschen gibt, als Jesus Christus kennenzulernen, der auch diesen unbändigen Durst des Menschen nach Liebe, Glück und Erfüllung zu stillen vermag und uns die Gewissheit schenkt, einmal wieder bei Gott im Paradies zu sein. Wer also das Glück hat, gläubige, starke Eltern zu haben, die ihren Glauben an den Gott der Bibel auch tatsächlich in ihrem Alltag leben und ernst nehmen, der hat die besten Voraussetzungen dafür, selbst stark und selbstbewusst zu werden und kann es dann auch wieder seinen Kindern mit auf ihren Weg geben, was für sie wiederum die beste Starthilfe ist.
Im Grunde sind es vier Dinge, die jedes Kind braucht und die es sich wünscht.
1. Aufmerksamkeit
Jedes Kind sehnt sich danach, beachtet zu werden. Das heißt für Eltern aber nicht, dass sie ständig nur auf diesen Wunsch nach Aufmerksamkeit reagieren müssen. Aber es bedeutet vielleicht, das Smartphone oder die Arbeitsunterlagen mal beiseite zu legen, um darauf zu achten, was das Kind mir zeigen oder mitteilen möchte. Vielleicht bedeutet es auch, das Kind mal bei der Hand zu nehmen und mit ihm zu spielen oder einen Kinderfilm mit dem Kind anzuschauen, anstatt uninteressiert auf der Couch zu liegen. Jedes Kind möchte die Liebe und Wärme seiner Mutter oder seines Vaters spüren, wenn es sich danach sehnt. Es möchte gehört, gesehen, verstanden und auch ernst genommen werden. Deshalb: erfüllen Sie ihm diesen Wunsch! Es ist wichtig für Ihr Kind und Sie werden eines Tages zurück bekommen, was Sie heute in das Kind auf diese Weise „investieren“.
2. Sicherheit
Eltern müssen ihren Kindern konkret zeigen und auch vorleben, welche Werte ihnen in ihrem Leben wichtig sind. Selbst mitten in einer Beziehungskrise sollten Kinder immer noch das Gefühl haben, dass sie sich auf ihren Vater und ihre Mutter verlassen können. Das ist die Sicherheit, die jedes Kind braucht und die sie ihren Kindern geben sollten. Kinder sollten sich vor allem zu jeder Zeit sicher sein können, dass sie nicht eines Tages weg sind. Das ist für Kinder vor allem im Teenageralter von allergrößter Bedeutung. Kinder und vor allem Jugendliche brauchen diese Stabilität, auch wenn sie es nicht zugeben würden. Sie brauchen jemanden, dem sie vertrauen, zu dem sie zu jeder Zeit mit ihren Geheimnissen, Ängsten und Wünschen gehen können.
3. Annahme
Wissen Ihre Kinder, dass sie zu Ihnen mit allem kommen können, egal was es ist? Dass Sie sie als Eltern immer lieben werden? Wissen Ihre Kinder, dass sie Ihnen mehr wert sind als ihre Schulnoten, Auszeichnungen oder Begabungen? Nur wenn sich Kinder angenommen und akzeptiert fühlen, können sie ihre Talente entfalten und ihre Träume verwirklichen. Selbst wenn uns ihre Wege manchmal fremd erscheinen, so sollten wir dennoch daran festhalten. Denn je fremder uns ihre Wege vorkommen und je schwieriger es für uns ist, sie gut zu heißen, desto wichtiger ist dieser Grundsatz. Es ist ihr Weg und ihr Leben.
4. Liebe
Wissen Ihre Kinder, dass Sie sie bedingungslos lieben? Haben Sie ihnen das als Eltern schon einmal gesagt? Vielleicht haben Sie als Kind diese Erfahrung schon selbst gemacht und dieses Angenommen- und Geliebtsein auch zu spüren bekommen? Wenn Sie Zeit mit ihnen verbringen, sie umarmen oder ihnen zu verstehen geben, dass sie sich auf Sie verlassen können, ist es genau das, was sie brauchen. Zeigen Sie Ihren Kindern, dass Sie sie lieben, indem Sie etwas gemeinsam unternehmen, sie wertschätzen oder loben!
Warum das so wichtig ist? Weil Liebe das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen ist – vor allem in der Erziehung. Es entspricht dem Grundbedürfnis eines jeden Menschen, dass er sich wahrgenommen, angenommen und geliebt fühlen möchte. Dieser Wunsch ist zutiefst in uns verankert. Deshalb: Sorgen Sie dafür, dass er beantwortet wird. Das kann Mühe kosten und Zeit in Anspruch nehmen. Es kann auch bedeuten, dass wir unsere Bequemlichkeit, unseren Stolz oder unsere Geschäftigkeit dafür aufgeben müssen, aber es lohnt sich, mehr als vieles andere. Liebe ist das eigentlich Geheimnisvolle in unserem Leben. Es ist der Schlüssel zum Herzen des anderen, ganz besonders zu dem unseres Kindes. Deshalb, achten Sie darauf, dass Sie diesen Schlüssel nie verlieren. Es lohnt sich.
