
Jesus im Garten Gethsemane
Der Name „Gethsemane“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Ölpresse“. In dieser Gegend wurden schon zur Zeit Jesu Oliven geerntet, in Presskörbe gefüllt und unter hohem Druck in sogenannten „Ölpressen“ ausgepresst, um Öl zu gewinnen. Es war damals gewöhnliche Praxis, die Oliven dreimal hintereinander zu pressen. So konnte zunächst das hochwertigste und reinste Olivenöl produziert werden, dann das Öl für den täglichen Gebrauch und schließlich das Restöl, das hauptsächlich für die damals gebräuchlichen Öllampen als Brennstoff verwendet wurde. Dass Jesus vor seiner Kreuzigung genau an diesem Ort war, ist kein Zufall und lässt uns das, was er dort erlebt hat, besser begreifen.
Der Druck, der auf Jesus lastete
Das Evangelium nach Matthäus berichtet, dass Jesus sich im Garten Gethsemane dreimal zum Gebet zurückzog. Spätestens da begannen für ihn die großen Qualen, die er auf sich nahm, um uns Menschen zu retten. Er spürte den unglaublichen Druck, der auf ihm lastete, und seine Seele war „zu Tode betrübt“.
So wie die Oliven beim dreifachen Pressen zur Ölgewinnung unter Druck der Presse ihr Innerstes freigeben, so wird in den drei Gebeten Jesu in Gethsemane sichtbar, was in seinem Innersten war, als er sagte: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Matthäus 26,39). Dieses Gebet wiederholte er dreimal. Dazwischen ging er jeweils zurück zu seinen Jüngern, die jedoch eingeschlafen waren. Er war mit seiner Qual allein. Im Evangelium nach Lukas lesen wir: „Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte“ (Lukas 22,44).
Wie die Ölpresse die Oliven zermalmt, so wurde auch Jesus förmlich erdrückt von der Last seiner Schmerzen und dem Leid und der Schuld der ganzen Welt. All das nahm er durch seinen Tod am Kreuz auf seine Schultern – damit wir es nicht mehr tragen müssen.
Vom Leiden zum Licht
Von Gethsemane aus führte Jesu Weg direkt zum Verhör, wo er bald darauf Misshandlung und schließlich die Kreuzigung erleiden musste. Die Ablehnung, die er erlebte, steht in einer langen Geschichte der Zurückweisung göttlicher Boten – und wurde zum Ausgangspunkt weiterer schwerer Verfolgung.
Jesus trug unsere Schuld, den ganzen Hass und die Gewalt, die Juden und Christen über die Jahrhunderte hinweg erlitten haben und bis heute erleiden. Die Geschichte kennt viele Beispiele, in denen Menschen wegen ihres Glaubens an Jesus unter Druck gerieten, verfolgt, misshandelt und getötet wurden. Jesus Christus ist derjenige, der die Verfolgten am allerbesten versteht, denn er hat das alles selbst durchlitten. Deshalb ist er auch der, der uns am besten trösten und uns helfen kann. Seine Geschichte zeigt: Leiden und Sterben haben nicht das letzte Wort. Das Öl, das durch das dreimalige Pressen der Oliven gewonnen wird, wurde zum Entzünden der Lampen verwendet. So wurde auch Jesus durch sein Leiden und Sterben zum Licht dieser Welt.
Sarah Burkhardt